Vita

 

 


Beucher-0433

Kurzvita
1967 geboren in Bernkastel-Kues.
1987-93 Kunststudium an der Universität zu Köln bei Prof. Tönnis und Prof. Sauerbier.
1993-96 Sängerin der Pop-Comedy-Band »Die fabulösen Thekenschlampen«.
1996 Preisträgerin des Dr. Dormagen-Guffanti-Stipendiums Köln.
2001 Eröffnung eines Ateliers in Köln-Sülz.

Ausstellungen (Auswahl)
1995 Kunsthaus Rhenania, Köln;
1996 Galerie Strümann, Heilbronn / Galerie Bose, Wittlich;
1998 »U-Kunst« mit Jim Avignon, Berlin;
2000 Wilhelm-Fabry-Museum, Hilden;
2000 Kulturfabrik, Koblenz;
2006 Wanderausstellung »Kommen Sie nach Hause« u.a. Deutschland, Neuseeland, Libanon;
2007 / 2013 Museum für verwandte Kunst, Köln.
2011 Galerie Frei, Köln
2013 Medio.Rhein.Erft.
2014 Neumarktgalerie Köln
2015 Cheap-Art Bonn

Zum Werk
„scheißleben ohne kunst“. Rotzig steht sie vor uns. Den Kopf durch einen Helm geschützt, die Augen hinter einer dicken Brille verborgen und aus den schlabberigen Hosenbeinen ragt ein Holzbein hervor. Verletzt und doch kämpferisch tritt uns die Figur entgegen. Und ein Pinsel, die immer einsatzbereite Waffe, ersetzt eine Hand.

Kunst, Malerei, Farbe als Lebenselixier, als Werkzeug im Überlebenskampf in der Welt des Alltags, als kreative Lösungsgeberin in vertrackten Situationen. Susanne Beucher nutzt dieses Medium seit vielen Jahren. Anfangs waren es Kopffüßler, die ihre Bilder bevölkerten und vor flächig aufgefassten Farbhintergründen aus großen Augen die Welt beobachteten und kommentierten. Fast immer allein haben sie sich den gleichen Problemen im Alltag zu stellen wie der Mensch: Auseinandersetzung mit aberwitzigen Situationen, Kommunikationsprobleme, Beziehungsstress. Knochen und Herz als symbolische Beigaben stehen für Tod, Hass und Wut bzw. Freude, Liebe und Glück: Allgemeinverständlich, jedoch nie naiv, im kollektiven Gedächtnis der Menschen verankert, mit hohem Wiedererkennungswert. Verbunden mit der Aufforderung an den Betrachter, die eigene Situation zu reflektieren und mit nun gewonnener Distanz neu zu bewerten.

Jörg Immendorf sprach einmal von seinen Bildern als schlafenden Kindern, die schön anzusehen seien und die man behutsam wecken könne. Wenn man sich ihnen widmet, würden sie auch gerne mit einem spielen. Ein schönes Bild. Diese offene, aufmerksame Haltung lässt sich vortrefflich nutzen, um in den Kosmos von Susanne Beucher einzutreten.

Doch heute sind es Figuren mit einem Holzbein, die in einer komplexer gewordenen Welt bestehen müssen. Ihr Körper weist Spuren eines gelebten Lebens auf, Verletzungen, Wunden, Versehrtheiten, die letztendlich jeder, oftmals gut verborgen, mit sich trägt und die vom alltäglichen Bestehenmüssen in einer immer bewegteren, schnelleren und komplizierteren Welt erzählen. Auch die Bildwelt, in die sie hineingestellt wurden, zeigt sich nun unruhiger, kleinteiliger und zeugt von einer malerischen Weiterentwicklung. Zahlreiche Farbschichten überlagern einander, eingestreute zeichnerische Elemente fordern die Aufmerksamkeit des Betrachters, collagenartig aufgebrachte Materialien, wie bedrucktes Papier oder Stofffragmente, betonen die Mehrdimensionalität. Spiegelt dies nicht auch die Komplexität der realen heutigen Welt, in der jeder Einzelne seinen persönlichen Kampf zu bestehen hat?

Susanne Beucher versteht sich als Alltagsdetektivin, die in täglichen Skizzen die Eindrücke und Erlebnisse der sie umgebenden Welt mit einem nüchtern erkennenden, kritischen, aber auch liebevollen Blick einfängt, die dann im freien malerischen Fluss den Weg auf die Leinwand finden. Leise Ironie, feiner Humor und manchmal auch eine schmerzende Direktheit zeichnen ihre Arbeiten aus und immer häufiger spielt auch die Sprache, das Wort eine kommentierende Rolle. Inspiration erhält sie aus der facettenreichen Welt der Medien, der scheinbaren Banalität des Alltäglichen und der Absurdität menschlicher Regungen.

Kunsthistorisch lässt sich ihr Werk, das Malerei, Zeichnung und Objekte umfasst, in die gedankliche und schöpferische Nachbarschaft der Außenseiterkunst einordnen. Inspiriert durch deren spontane, aus dem Unbewussten entstehende Malerei, kamen Künstler bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zu freien, die Experimentierfreude in sich tragenden Ergebnissen. Der Beginn einer Entwicklung, die es den Künstlern ermöglichte, sich über gesellschaftlich vorgegebene Regeln und Erwartungen hinwegzusetzen. Jean Dubuffet prägte für diesen von ihm maßgeblich weiterentwickelten Stil in den 1940er/50er Jahren den Begriff der Art brut.

Keith Haring und Jean Michel Basquiat lassen sich ebenfalls nennen, die beide, jeweils auf ihre Weise, in den 1980er Jahren den Einflüssen der Zeichensprache der Alltagskommunikation und der Streetart amerikanischer Großstädte verpflichtet waren.

Susanne Beucher wandert auf ihren Spuren, gelangt jedoch mit ihren Arbeiten zu einer ganz eigenen markanten – zeitgenössischen – Sprache.

Uschi Baetz Kunsthistorikerin